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Burgunderwunder?

Artikel aus der Weinwirtschaft 17/2025
Burgunderwunder?

Auszug aus der Weinwirtschaft 17/2025 von VINCENT MESSMER

König Riesling hat die Wahrnehmung deutscher Weine im In- und Ausland über Jahrzehnte geprägt. Doch langsam treten Burgunder-Sorten aus seinem Schatten – nicht nur dort, wo man sie erwartet.

Deutschland hat sich in den letzten Jahren zu einer Top-Adresse für weiße und rote Burgundersorten entwickelt. Qualitativ bieten sie insbesondere im internationalen Vergleich ein sehr attraktives Preis-Genuss-Verhältnis, was etwa beim Spätburgunder aktuell von immer mehr Fachleuten aus dem Ausland entdeckt wird“, sagt die neue Geschäftsführerin beim Deutschen Weininstitut (DWI), Melanie Broyé-Engelkes. Das DWI veranstaltete im Juni 2025 eine Pressereise zum Thema „Deutsches Burgunderwunder“ – auch in weniger bekannte Gebiete wie Franken und Rheingau.

Und tatsächlich lässt sich anhand von DWI-Zahlen festhalten: Die Rebflächen von Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay und Auxerrois sind in den letzten zehn Jahren in (fast) allen deutschen Anbaugebieten gewachsen. Etwas anders sieht es bei den roten Burgundersorten aus. Frühburgunder ist definitiv nicht Teil des „Burgunderwunders“ – überall, wo er angebaut wird, entwickeln sich die Rebflächen rückläufig. Dass zudem die Rebfläche von St. Laurent fast überall schrumpft, wird am allgemeinen Trend weg vom Rotwein liegen. Auch Schwarzriesling dürfte vor allem deswegen binnen zehn Jahren 486 Hektar verloren haben – davon allein 390 Hektar in Württemberg.
Selbst Deutschlands „Rotwein-Star“, der Spätburgunder, hat insgesamt Rebfläche verloren (–346 ha). Allerdings nicht überall: In zahlreichen Gebieten konnte die Sorte zulegen, nur in Baden verlor sie drastisch (–626 ha). Auch die Spätburgunderhochburg Ahr (–10 ha) und das Rotweinland Württemberg (–19 ha) verzeichneten leichte Rückgänge. Ist das deutsche Burgunderwunder ein reines Weißweinthema?
Nicht, wenn es nach Simone Adams geht. Die Winzerin setzt im rheinhessischen Ingelheim alles auf die Karte Burgunder – und zwar mit über 60 Prozent ihrer Rebflächen auf Spätburgunder. Der Spätburgunder aus Ingelheim, sagt Adams, sei bereits Ende des 19. Jahrhunderts in einem französischen Lexikon mit dem aus Burgund verglichen worden. Und tatsächlich: Im „Nouveau dictionnaire encyclopédique universel illustré“ von Jules Trousset heißt es in einer Passage zu den deutschen Weinbaugebieten „zu nennen sind noch der Scharlachberger und der Feuerberger aus Bingen und Umgebung; die Weine von Laubenheim, Bodenheim, Oppenheim, Nierstein, Selzen und der Rotwein von Oberingelheim, der den Burgunderweinen der 2. und 3. Klasse ähnelt“. Internationaler Erfolg also vorprogrammiert? Die Exportzahlen bei Simone Adams steigen zumindest und liegen laut ihrer Aussage bei mittlerweile über der Hälfte der Umsätze. Wichtige Märkte seien dabei Australien, Skandinavien, die USA und Hong Kong...

» Das Feld der deutschen Burgunder ist sehr vielfältig und die Handschrift eines jeden Winzers ist anders. «
Siegbert Bimmerle, Weingut Siegbert Bimmerle


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