Presse

ProWein 2026

Weinwirtschaft 07/2026 – Weniger Hallen, kürzere Wege, gute Gespräche und zahlreiche Neuheiten – Learnings und Impressionen von einer lebendigen Messe in Düsseldorf.
Auszug aus der Weinwirtschaft 07/2026 von VINCENT MESSMER

»Die Stimmung ist durchwachsen, vieles wird aber auch totgeredet. Wir sind gespannt, wie die Messe verlaufen wird. Gleichzeitig sind wir uns aber auch sicher, dass die ProWein gerade für den deutschen Markt immer interessant bleiben wird.«
Bernadette und Siegbert Bimmerle, Weingut Siegbert Bimmerle


Nach drei durchaus geschäftigen Tagen ging am 17. März die ProWein 2026 zu Ende. Weniger Hallen, dadurch kürzere Strecken – und weniger leere Bereiche. So der erste Eindruck. Die Ausstellerzahl lag bei rund 3.400, 19 Prozent weniger als im Vorjahr. Da die Anzahl der Hallen von elf (2025) auf sieben (2026) reduziert worden war, fiel das optisch kaum auf und auch besucherseitig wirkte die Messe ungleich belebter als zuletzt, trotz 11.000 Besuchern weniger als im Vorjahr (31.000 statt 42.000) – Ausnahme bildeten eher abseits gelegene Bereiche wie Spanien und Griechenland in Halle 6.

Einige Aussteller attestierten der Messe, zunehmend eine „regionale Messe“ geworden zu sein – mit Einkäufern vor allem aus Deutschland, den Benelux-Ländern, Polen und zum Teil Skandinavien. Bedingt auch durch den amerikanisch-israelischen Angriffskrieg im Iran und die darauf folgenden Gegenangriffe im kompletten Nahen Osten konnten oder wollten kaum Besucher aus Asien nach Düsseldorf kommen.

Nord- und Südamerikaner sowie Einkäufer aus Afrika hätten eher die Messe in Paris besucht, hieß es teilweise von Ausstellern, die beide Messen bedient haben. Die ProWein sei eine eher europäische Messe geworden. Das wurde allerdings teilweise auch als positiv empfunden. „Die totgesagte ProWein lebt noch. Es mag nicht mehr die Weltleitmesse sein, aber es ist eine schöne, gut organisierte Messe. Wer seine Arbeit in der Messevorbereitung macht, erzielt auch gute Ergebnisse. Wir kommen auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder“, sagte beispielsweise Francois Ballue am Stand von Importeur Vinergie. Das Problem mit den Hotelpreisen und Restaurant-Verfügbarkeiten sei auch besser geworden, seit die Messe kleiner sei. Allerdings würde er sich wünschen, auch die Messe selbst würde künftig über eine Preisanpassung nachdenken.

Viele Aussteller, gerade aus dem Ausland, erzählten auch, sie seien mit sehr geringen Erwartungen angereist – und positiv überrascht worden. Die Qualität der Besucher und Gespräche wurde fast durchweg gelobt. Masterclasses waren gut besucht, freie Verkostungszonen stark frequentiert. Selbst bei den italienischen Ausstellern, im Vorjahr noch über zwei zum Teil eher leere Hallen verteilt,diesmal nur in einer Halle gemeinsam mit weiteren europäischen Herkunftsländern von Aserbaidschan bis Zypern, war die Stimmung unerwartet positiv und geschäftig

Kennen Sie schon ... RTD? Beim Gang durch die Messehallen war auffallend: Die Aussteller nutzen die ProWein, um zahlreiche Produktneuheiten zu präsentieren. Und: Viele dieser Produktneuheiten – insbesondere bei deutschen Genossenschaften und Kellereien – kamen in To-Go-Gebinden (Dosen, Kleinflaschen) daher, waren bunt, waren süß – und schmeckten eher wenig nach Wein. „Junge Konsumenten wollen mehr Süße und weniger Alkohol“, brachte Martin Deutsch von der Winzergemeinschaft Franken eG (GWF) die Losung der Stunde auf den Punkt. Oft waren die präsentierten Produkte Previews, die erst später auf den Markt kommen, teilweise diente die Messe sogar als Feldversuch: Die Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG beispielsweise nutzte das Besucherfeedback zum Verkostungsmuster ihres neuen Wein-Tonic-Limette-Mixes, um die finale Rezeptur noch einmal anzupassen, wie der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, Jürgen Conz, erklärte. 

Generell betonten viele Aussteller einen Vorteil, den die Messe in Düsseldorf gegenüber der Konkurrenz aus Paris für sie habe: Hier konnten sie bereits ihre neuen Jahrgänge präsentieren, in Paris noch nicht. Allerdings, auch darauf wurde zum Teil hingewiesen: Durch den früheren Termin (7. bis 9. März 2027) wird die Messe diesen Nimbus im kommenden Jahr für einige verlieren.

Quelle/Veröffentlichung: Lt. Redaktion Herr Sievers & Team freigegeben